Waldkennzahlen

Altersstruktur des Waldes in Deutschland

Der größte Teil des deutschen Waldes ist zwischen 41 und 80 Jahre alt: 35,1 % der Fläche fallen in diese beiden Altersklassen, allein 18,4 % auf 61 bis 80 Jahre. Älter als 120 Jahre sind 16,9 %, jünger als 21 Jahre 8,3 %. Zwischen den Ländern schwankt vor allem der Anteil alter Bestände, von 11,0 % im Saarland bis 25,0 % in Hessen.

Von Lukas Schneider · veröffentlicht am · Datenstand: Bundeswaldinventur 2022, abgerufen am 27.10.2026

8 %
1–20
13 %
21–40
17 %
41–60
18 %
61–80
13 %
81–100
10 %
101–120
8 %
121–140
5 %
141–160
4 %
über 160
Anteil der Waldfläche Deutschlands nach Bestandesalter in Jahren, BWI 2022. 3,4 % der Fläche haben keine Altersangabe.

So misst die Inventur das Alter

Die BWI teilt die Fläche in neun Altersklassen zu je 20 Jahren, die letzte umfasst alle Bestände über 160 Jahre. Gemeint ist das Alter der Bäume, nicht das des Waldstandorts: Ein Wald, der seit Jahrhunderten besteht, kann junge Bäume tragen. In einem Mischbestand ordnet die Inventur die Fläche nach Baumarten getrennt zu, sodass alte Eichen und junge Buchen in einem Bestand anteilig in zwei Klassen zählen.

Die Anteile beziehen sich auf den begehbaren Holzboden einschließlich Lücken und Blößen. Lücken haben kein Alter, deshalb bleibt ein Rest ohne Angabe: in Deutschland 3,4 %, in Nordrhein-Westfalen mit 8,6 % am meisten. Die neun Klassen summieren sich also nicht ganz auf 100 %.

Wo der Wald besonders alt ist

Den größten Anteil an Beständen über 120 Jahre haben Hessen (25,0 %), Berlin (23,1 %), Bayern (20,9 %) und Rheinland-Pfalz (20,5 %). In Hessen ist sogar 9,3 % der Fläche älter als 160 Jahre, mehr als doppelt so viel wie im Bundesmittel (4,5 %).

Hamburg und Bremen weisen rechnerisch 32,0 % alte Bestände aus. Weil die gesamte Stichprobe der beiden Stadtstaaten klein ist (Fehler der Waldfläche 26,7 %), bleibt dieser Wert hier außerhalb der Rangfolge.

Anteil der Waldfläche nach Alter, sortiert nach dem Anteil über 120 Jahre
Land1–20 Jahre61–80 Jahreüber 120 Jahre
Hamburg und Bremen0,0 %21,6 %32,0 %
Hessen10,5 %14,5 %25,0 %
Berlin2,3 %25,0 %23,1 %
Bayern7,4 %14,6 %20,9 %
Rheinland-Pfalz4,9 %19,2 %20,5 %
Schleswig-Holstein6,7 %23,6 %19,3 %
Baden-Württemberg9,0 %16,4 %18,3 %
Thüringen8,8 %17,0 %17,8 %
Nordrhein-Westfalen15,5 %15,9 %13,8 %
Mecklenburg-Vorpommern8,1 %21,4 %12,5 %
Niedersachsen8,0 %23,8 %11,7 %
Sachsen-Anhalt9,0 %20,2 %11,7 %
Brandenburg5,6 %24,2 %11,6 %
Sachsen8,5 %22,0 %11,5 %
Saarland3,0 %20,1 %11,0 %
Deutschland8,3 %18,4 %16,9 %

Wo junger Wald einen großen Anteil hat

Den höchsten Anteil an Beständen bis 20 Jahre hat Nordrhein-Westfalen mit 15,5 %, das 1,9-Fache des Bundeswerts; es folgen Hessen (10,5 %) und Baden-Württemberg (9,0 %). Dasselbe Land hat seit 2012 den stärksten Rückgang des Fichtenanteils aller Länder (−9,9 Prozentpunkte). Ob und wie beides zusammenhängt, lässt sich aus den Inventurtabellen allein nicht ablesen.

Am wenigsten junger Wald steht in Berlin (2,3 %) und im Saarland (3,0 %). Im Saarland liegt der Schwerpunkt dafür in der Mitte: 44,5 % der Fläche sind zwischen 21 und 60 Jahre alt.

Die mittleren Klassen sind fast überall am stärksten

In 14 von 15 Ländern ist keine Altersklasse stärker besetzt als die von 61 bis 80 Jahren. Die Ausnahme ist das Saarland, wo die Klasse von 41 bis 60 Jahren mit 24,9 % vorn liegt. Wie gleichmäßig sich die Fläche verteilt, unterscheidet sich trotzdem deutlich. In Bayern liegen die vier Klassen von 41 bis 120 Jahren alle zwischen 13,4 % und 14,6 %. In Brandenburg ballt sich die Fläche dagegen: 24,2 % entfallen auf 61 bis 80 Jahre, nur 4,1 % sind älter als 140 Jahre. In Niedersachsen liegen 47,2 % der Fläche in den beiden Klassen von 41 bis 80 Jahren.

Viel alter Wald heißt nicht viel Holz

Ob ein Land viel alten Wald hat, sagt wenig darüber, wie viel Holz dort je Hektar steht. Hessen hat mit 25,0 % den größten Anteil an Beständen über 120 Jahre, liegt beim Holzvorrat mit 312,0 m³ je Hektar aber unter dem Bundesmittel von 334,9 m³. Mecklenburg-Vorpommern kommt mit nur 12,5 % alten Beständen auf 342,3 m³, Bayern mit 20,9 % auf 405,4 m³. Welche Baumarten dort wachsen, spielt für den Vorrat mindestens ebenso eine Rolle; mehr dazu im Ratgeber Holzvorrat je Hektar.

Das Alter hängt an der Baumart

Die Unterschiede zwischen den Baumarten sind größer als die zwischen den Ländern. Bei Eiche (37,5 %), Buche (32,9 %) und Tanne (31,1 %) ist rund ein Drittel der Fläche älter als 120 Jahre. Bei den sonstigen kurzlebigen Laubbäumen sind 62,1 % der Fläche höchstens 40 Jahre alt, bei der Birke 46,2 %. Die Kiefer hat dagegen wenig jungen Wald: Nur 2,7 % ihrer Fläche sind jünger als 21 Jahre, bei der Fichte sind es 11,0 %. Die Douglasie konzentriert sich auf die Klasse von 41 bis 60 Jahren (38,5 % ihrer Fläche).

Altersverteilung der Fläche je Baumartengruppe, Deutschland
Baumartengruppebis 40 Jahreüber 120 Jahre
Eiche13,1 %37,5 %
Buche14,9 %32,9 %
Tanne23,1 %31,1 %
Kiefer11,2 %16,4 %
Esche25,9 %9,8 %
Fichte26,7 %9,5 %
Sonstige, langlebig33,1 %8,9 %
Ahorn44,2 %7,5 %
Lärche15,6 %6,6 %
Erle27,1 %1,9 %
Douglasie35,6 %1,0 %
Sonstige, kurzlebig62,1 %0,6 %
Birke46,2 %0,4 %

Ein hoher Laubbaumanteil allein garantiert trotzdem keinen alten Wald. Das Saarland hat mit 75,1 % den höchsten Laubbaumanteil aller Flächenländer, aber mit 11,0 % den kleinsten Anteil an Beständen über 120 Jahre.

Den Altersaufbau zweier Länder vergleichen

Im Länder-Vergleich stehen die neun Altersklassen zweier Gebiete als Balkenpaare nebeneinander. Aufschlussreich sind etwa Hessen und Saarland, die Länder mit dem höchsten und dem niedrigsten Anteil alter Bestände, oder Nordrhein-Westfalen und Deutschland.

Quellen

  • Thünen-Institut: Vierte Bundeswaldinventur (BWI 2022), Ergebnisdatenbank bwi.info, Lizenz CC BY 4.0; verwendete Ergebnistabellen: 1.05 (Länder und Baumartengruppen), 2.03. Abgerufen am 27.10.2026.
  • Eigene Berechnungen von Waldkennzahlen (Ränge, Differenzen, Verhältnisse, Summen); Vorgehen unter Daten & Methodik.