Waldkennzahlen richtig lesen
Sechs Größen beschreiben einen Wald in der Bundeswaldinventur: Waldfläche, Waldanteil, Baumartenanteile, Holzvorrat, Zuwachs und Altersaufbau. Für Deutschland lauten sie 11.538.455 Hektar, 32,3 % der Landesfläche, Kiefer (21,8 %) knapp vor Fichte (20,9 %), 334,9 m³ Holz und 9,4 m³ Zuwachs je Hektar und Jahr sowie 16,9 % der Fläche älter als 120 Jahre. Jede dieser Zahlen ist eine Schätzung aus einer Stichprobe; wie belastbar sie ist, zeigt der Stichprobenfehler.
Von Lukas Schneider · veröffentlicht am · Datenstand: Bundeswaldinventur 2022, abgerufen am 27.10.2026
Waldfläche und Waldanteil beantworten verschiedene Fragen
Die Waldfläche sagt, wie viel Wald es gibt. Der Waldanteil sagt, wie stark eine Landschaft von Wald geprägt ist. Beide Ranglisten fallen deutlich auseinander. Bayern hat mit 2.616.869 Hektar mit Abstand den meisten Wald, 22,7 % der deutschen Waldfläche. Beim Waldanteil reicht es mit 37,1 % nur für Rang 6 unter 15 Ländern. Rheinland-Pfalz besitzt 853.758 Hektar Wald, nur 33 % der bayerischen Fläche, ist mit 43,0 % aber das am dichtesten bewaldete Land.
Der Waldanteil ist die Waldfläche geteilt durch die Gesamtfläche aus Wald und Nichtwald. Für Deutschland sind das 11.538.455 von 35.754.330 Hektar. Innerhalb der Waldfläche unterscheidet die Inventur den Holzboden: 11.158.726 Hektar oder 96,7 % der Waldfläche. Auf den begehbaren Holzboden beziehen sich die Baumartenanteile und der Vorrat je Hektar.
Baumartenanteile messen Fläche, nicht Stückzahl
Wenn die Kiefer 21,8 % des deutschen Waldes ausmacht, heißt das nicht, dass gut jeder fünfte Baum eine Kiefer ist. Die BWI weist den Anteil an der Fläche aus, den eine Baumart einnimmt. Zur Bezugsfläche der Länder gehören auch Lücken und Blößen, also Stellen ohne Bestockung; bundesweit sind das 3,4 %. Nadelbäume (49,9 %), Laubbäume (46,7 %) und Lücken ergeben zusammen 100 %.
Für die 78 Wuchsgebiete weist die Ergebnisdatenbank die Anteile dagegen ohne Lücken aus. Diese Seite vergleicht deshalb Länder nur mit Ländern und Wuchsgebiete nur mit Wuchsgebieten. Das Bild der 100 Bäume auf jeder Gebietsseite rundet die Anteile auf ganze Prozent; die Arten mit den größten Rundungsresten erhalten die letzten Bäume, damit die Summe genau 100 ergibt.
Holzvorrat und Zuwachs werden je Hektar verglichen
Der Holzvorrat ist das Volumen des Derbholzes mit Rinde, also aller Stamm- und Astteile ab 7 cm Durchmesser. Deutschlands Wald hält 3,67 Milliarden Kubikmeter, im Mittel 334,9 m³ je Hektar. Erst der Wert je Hektar macht Gebiete unterschiedlicher Größe vergleichbar: In Bayern stehen 405,4 m³ auf jedem Hektar, in Sachsen-Anhalt 255,0 m³.
Der Zuwachs gibt an, wie viel Holz im Mittel der Jahre 2012 bis 2022 jährlich hinzugekommen ist: 9,4 m³ je Hektar, für ganz Deutschland 101,5 Millionen Kubikmeter im Jahr. Viel Vorrat bedeutet nicht automatisch viel Zuwachs. Hamburg und Bremen liegen beim Vorrat mit 340,0 m³ über dem Bundesmittel, beim Zuwachs mit 7,6 m³ deutlich darunter.
Ein Detail sorgt oft für Verwirrung: Auf den Baumartenseiten steht als Mittel aller Arten ein Vorrat von 332,4 m³ je Hektar, nicht 334,9 m³. Beide Zahlen stammen aus verschiedenen Ergebnistabellen mit unterschiedlicher Bezugsfläche. Der Wert je Baumart bezieht sich auf die Fläche, die die jeweilige Art im Hauptbestand einnimmt.
Totholz und Alter
Totholz zählt die BWI ab 10 cm Durchmesser am dicken Ende. Bundesweit liegen 29,4 m³ je Hektar im Wald. Auf der Fläche, die 2012 und 2022 gleichermaßen erfasst wurde, stieg der Wert von 20,0 auf 29,6 m³.
Der Altersaufbau teilt die Fläche in neun Klassen zu je 20 Jahren; die letzte umfasst alles über 160 Jahre. Am stärksten besetzt ist in Deutschland die Klasse von 61 bis 80 Jahren mit 18,4 %. Älter als 120 Jahre sind 16,9 % der Fläche. 3,4 % haben keine Altersangabe; das entspricht genau dem Anteil der Lücken und Blößen. Mehr dazu im Ratgeber Altersstruktur des Waldes.
Der Stichprobenfehler zeigt, wie sicher eine Zahl ist
Die BWI vermisst nicht jeden Baum, sondern Bäume an Stichprobenpunkten auf einem bundesweiten Raster. Jede Zahl hat deshalb einen relativen Stichprobenfehler, angegeben in Prozent des Werts. Für ganz Deutschland ist er klein, wie die Tabelle zeigt.
| Kennzahl | Deutschland | Fehler |
|---|---|---|
| Waldfläche | 11.538.455 ha | 0,6 % |
| Waldanteil | 32,3 % | 0,6 % |
| Holzvorrat je Hektar | 334,9 m³ | 0,4 % |
| Zuwachs je Hektar und Jahr | 9,4 m³ | 0,4 % |
| Totholz je Hektar | 29,4 m³ | 1,6 % |
| Gesamtvorrat | 3,67 Mrd. m³ | 0,7 % |
Je kleiner das Gebiet, desto weniger Stichproben und desto größer der Fehler. Bayerns Waldfläche ist mit 1,6 % Fehler geschätzt, das sind rund 42.000 Hektar nach oben oder unten. Bei Hamburg und Bremen, die nur gemeinsam ausgewertet werden, liegt der Fehler der Waldfläche bei 26,7 %, beim Totholz bei 32,7 %.
| Land | Waldfläche | Vorrat/ha | Totholz/ha |
|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 1,2 % | 0,7 % | 2,2 % |
| Brandenburg | 1,3 % | 0,7 % | 4,2 % |
| Rheinland-Pfalz | 1,4 % | 0,9 % | 2,8 % |
| Nordrhein-Westfalen | 1,5 % | 1,1 % | 2,9 % |
| Bayern | 1,6 % | 1,0 % | 4,9 % |
| Mecklenburg-Vorpommern | 2,0 % | 1,0 % | 4,5 % |
| Sachsen | 2,0 % | 1,2 % | 4,3 % |
| Sachsen-Anhalt | 2,1 % | 1,3 % | 5,6 % |
| Niedersachsen | 2,4 % | 1,4 % | 7,7 % |
| Thüringen | 2,6 % | 1,6 % | 5,0 % |
| Hessen | 2,9 % | 1,9 % | 4,9 % |
| Schleswig-Holstein | 3,6 % | 1,8 % | 6,7 % |
| Saarland | 4,2 % | 2,3 % | 7,6 % |
| Berlin | 12,1 % | 4,3 % | 26,1 % |
| Hamburg und Bremen | 26,7 % | 8,0 % | 32,7 % |
Werte mit mehr als 20 % Fehler markiert diese Seite mit ≈; sie taugen als Größenordnung, nicht für Ranglisten. Vier der 82 Wuchsgebiete verfehlen diese Schwelle bei einer Kernzahl und fehlen deshalb ganz. Das Thüringer Becken ist mit nur 30 Trakten gerade noch dabei.
Bei Veränderungen gilt dasselbe. Deutschlands Waldfläche ist seit 2012 um 15.606 Hektar gewachsen; bei einem Fehler von 39,4 % gilt die Zunahme als statistisch gesichert. In elf von 15 Ländern ist die Flächenänderung dagegen nicht gesichert, weil sie kleiner ist als ihre Unsicherheit.
Mit den richtigen Zahlen vergleichen
Für Vergleiche eignen sich relative Werte: Anteile in Prozent, Vorrat und Zuwachs je Hektar. Absolute Zahlen wie die Waldfläche oder der Gesamtvorrat sagen vor allem etwas über die Größe eines Landes. Der Länder-Vergleich stellt die relativen Werte zweier Länder nebeneinander und zeigt unsichere Werte mit ≈ an; die Seite Daten & Methodik erklärt jede Berechnung.
Quellen
- Thünen-Institut: Vierte Bundeswaldinventur (BWI 2022), Ergebnisdatenbank bwi.info, Lizenz CC BY 4.0; verwendete Ergebnistabellen: 1.01, 1.04, 1.05, 2.01, 3.01, 3.04, 5.01, 8.01, 9.01. Abgerufen am 27.10.2026.
- Eigene Berechnungen von Waldkennzahlen (Ränge, Differenzen, Verhältnisse, Summen); Vorgehen unter Daten & Methodik.