Totholz im Wald: wo am meisten liegt und wo es zunahm
Im deutschen Wald liegen im Mittel 29,4 m³ Totholz je Hektar, zusammen 323 Millionen Kubikmeter. Am meisten sind es in Hessen mit 39,6 m³, am wenigsten unter den belastbar erfassten Ländern in Brandenburg mit 17,1 m³. Auf der Fläche, die beide Inventuren erfasst haben, ist der Wert seit 2012 um 48 % gestiegen, von 20,0 auf 29,6 m³ je Hektar.
Von Lukas Schneider · veröffentlicht am · Datenstand: Bundeswaldinventur 2022, abgerufen am 27.10.2026
- 1Hessen39,6 m³
- 2Saarland38,3 m³
- 3Rheinland-Pfalz37,0 m³
- 4Sachsen-Anhalt34,4 m³
- 5Nordrhein-Westfalen33,1 m³
- 6Baden-Württemberg32,7 m³
- 7Bayern29,9 m³
- 8Thüringen28,1 m³
- 9Sachsen26,7 m³
- 10Niedersachsen24,0 m³
- 11Mecklenburg-Vorpommern22,4 m³
- 12Schleswig-Holstein21,3 m³
- 13Brandenburg17,1 m³
Was als Totholz zählt
Die Bundeswaldinventur erfasst abgestorbenes Holz ab 10 cm Durchmesser am dicken Ende. Dünne Äste und Reisig fehlen also in allen Zahlen, und die Werte beschreiben nur den begehbaren Holzboden. Weil die Ergebnisdatenbank Totholz nicht nach Wuchsgebieten ausweist, endet dieser Vergleich bei den Ländern.
Zwei leicht verschiedene Zahlen kommen vor. Der Zustandswert der Inventur 2022 beträgt für Deutschland 29,4 m³. Auf dem gemeinsamen Stichprobennetz von 2012 und 2022, das allein einen fairen Vorher-Nachher-Vergleich erlaubt, sind es 29,6 m³. Die Rangliste oben nutzt den Zustandswert, die Tabelle weiter unten das gemeinsame Netz.
Die Spitze liegt enger beieinander, als die Rangliste vermuten lässt
Hessen, Saarland und Rheinland-Pfalz führen mit 39,6, 38,3 und 37,0 m³ je Hektar. Der Vorsprung Hessens ist allerdings kleiner als die Unsicherheit der Schätzung: Hessens Wert hat einen relativen Stichprobenfehler von 4,9 %, rund 1,9 m³, der des Saarlands 7,6 %, rund 2,9 m³. Welches dieser Länder tatsächlich vorn liegt, lässt sich aus der Stichprobe nicht sicher sagen.
Der Abstand zum Ende der Liste ist dagegen eindeutig. In Brandenburg liegen mit 17,1 m³ weniger als halb so viele Kubikmeter wie in Hessen. Berlin sowie Hamburg und Bremen fehlen in der Rangliste: Ihre Werte (≈ 33,4 m³ und ≈ 12,5 m³) haben Stichprobenfehler von 26,1 % und 32,7 %.
Zehn Jahre: überall mehr, aber sehr unterschiedlich viel
In jedem Land mit belastbarem Wert hat das Totholz zwischen 2012 und 2022 zugenommen. Am stärksten stieg es in Sachsen-Anhalt (+16,6 m³) und in Sachsen (+15,8 m³), dahinter liegen Hessen und Rheinland-Pfalz gleichauf (je +14,9 m³). Relativ am kräftigsten war der Sprung in Sachsen: von 11,0 auf 26,8 m³, das 2,44-Fache.
| Land | 2012 | 2022 | Zunahme | Faktor |
|---|---|---|---|---|
| Sachsen-Anhalt | 17,9 | 34,5 | +16,6 | 1,93 |
| Sachsen | 11,0 | 26,8 | +15,8 | 2,44 |
| Hessen | 24,5 | 39,4 | +14,9 | 1,61 |
| Rheinland-Pfalz | 22,4 | 37,3 | +14,9 | 1,67 |
| Nordrhein-Westfalen | 22,0 | 33,4 | +11,4 | 1,52 |
| Saarland | 28,7 | 37,8 | +9,2 | 1,32 |
| Thüringen | 19,4 | 28,4 | +8,9 | 1,46 |
| Bayern | 21,6 | 30,0 | +8,4 | 1,39 |
| Niedersachsen | 16,3 | 24,1 | +7,8 | 1,48 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 16,5 | 23,0 | +6,5 | 1,39 |
| Brandenburg | 10,6 | 17,1 | +6,4 | 1,61 |
| Schleswig-Holstein | 15,4 | 21,8 | +6,4 | 1,42 |
| Baden-Württemberg | 28,1 | 32,7 | +4,6 | 1,16 |
| Deutschland | 20,0 | 29,6 | +9,5 | 1,48 |
Die Rangfolge hat sich dabei verschoben. Im Jahr 2012 lagen das Saarland (28,7 m³) und Baden-Württemberg (28,1 m³) vorn. Baden-Württemberg hatte danach mit +4,6 m³ die kleinste Zunahme aller Länder dieser Tabelle und steht im Zustandswert 2022 nur noch auf Platz sechs der 13 ausgewerteten Länder. Für Veränderungen weist die Datenbank keinen Stichprobenfehler aus; kleine Unterschiede sollte man deshalb nicht überinterpretieren.
Wo die Fichte zurückging, wuchs das Totholz häufig stärker
Legt man den Rückgang des Fichtenanteils neben die Zunahme des Totholzes, zeigt sich über die 13 Länder ein mittlerer Zusammenhang (Korrelationskoeffizient 0,55). Die vier Länder mit dem größten Fichtenrückgang, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, legten im Mittel um 13,0 m³ je Hektar zu, die vier mit dem kleinsten, Baden-Württemberg, Saarland, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, um 6,7 m³.
Eine Regel ist das nicht. Sachsen verlor mit 3,8 Prozentpunkten weniger Fichte als jene vier Länder und gehört trotzdem zu den Ländern mit der stärksten Totholz-Zunahme. Die Inventur misst den Bestand; welche Ereignisse und Entscheidungen dahinterstehen, sagen ihre Tabellen nicht. Wo und wie stark die Fichte zurückgegangen ist, zeigen die Seiten zur Fichte und zu den einzelnen Ländern.
Die Gesamtmenge folgt nicht einfach der Waldfläche
Zusammen ergeben die Schätzungen 322,7 Millionen Kubikmeter Totholz. Bayern hält davon 74,6 Millionen, also 23,1 %, bei 22,7 % der Waldfläche: ziemlich genau seinem Flächenanteil entsprechend. Hessen kommt auf 10,5 % des Totholzes, aber nur 7,8 % der Waldfläche. Brandenburg ist der Gegenfall mit 5,7 % des Totholzes auf 9,8 % der Fläche.
Totholz im Verhältnis zum stehenden Holz
Ein Land mit viel Holz je Hektar kann auch mehr totes Holz haben, ohne dass der Anteil ungewöhnlich wäre. Deshalb lohnt der Blick auf das Verhältnis. Bundesweit kommen auf 100 m³ Holzvorrat 8,8 m³ Totholz. In Sachsen-Anhalt sind es 13,5 m³, in Brandenburg nur 5,7 m³.
- 1Sachsen-Anhalt13,5 m³
- 2Hessen12,7 m³
- 3Nordrhein-Westfalen12,3 m³
- 4Saarland12,0 m³
- 5Rheinland-Pfalz11,8 m³
- 6Baden-Württemberg8,8 m³
- 7Thüringen8,7 m³
- 8Sachsen8,4 m³
- 9Niedersachsen8,1 m³
- 10Bayern7,4 m³
- 11Mecklenburg-Vorpommern6,5 m³
- 12Schleswig-Holstein6,0 m³
- 13Brandenburg5,7 m³
Bayern zeigt, was diese Umrechnung ändert: Mit 29,9 m³ je Hektar liegt es nah am Bundesmittel, wegen seines hohen Vorrats von 405,4 m³ fällt das Verhältnis mit 7,4 m³ aber deutlich niedriger aus. Das Verhältnis ist eine eigene Rechengröße und keine Kennzahl der Inventur; es beschreibt den Bestand und bewertet ihn nicht.
Wie ein totholzreiches und ein totholzarmes Land insgesamt auseinanderliegen, zeigt der Vergleich Hessen und Brandenburg. Alle Werte zu einem einzelnen Land stehen auf seiner Seite, die Berechnungen unter Daten & Methodik.
Quellen
- Thünen-Institut: Vierte Bundeswaldinventur (BWI 2022), Ergebnisdatenbank bwi.info, Lizenz CC BY 4.0; verwendete Ergebnistabellen: 3.01, 8.01, 9.01, 2.03. Abgerufen am 27.10.2026.
- Eigene Berechnungen von Waldkennzahlen (Ränge, Differenzen, Verhältnisse, Summen); Vorgehen unter Daten & Methodik.